Führungen & Rundgänge
Sprung über die Elbe: Harburg postkolonial



Veranstalter: Jokinen und Gordon Uhlmann
Termin(e):   02.09.
Rundgang: 15 Uhr, Vortrag 16 Uhr
Eintritt / Teilnahme: kostenlos
Treffpunkt: Kulturwerkstatt Harburg, Harburger Schloßstraße 23

Rundgang zur Topographie des Kolonialen im Harburger Binnenhafen

Vortrag zur Kunst und Kolonialgeschichte: beteiligungsorientiertes Projekt afrika-hamburg.de und Konzept Park postkolonial in Harburg

Harburg ist ein Stadtteil im Umbruch. Der „Sprung über die Elbe“ bedeutet hier u.a., dass aus Lagerhallen moderne Bürokomplexe werden, neuer Wohnraum im wassernahen Industriequartier entsteht und Wasserwege nach Hamburg erschlossen werden. Doch wer aufmerksam den Stadtteil und seinen Hafen erkundet, findet auch heute noch viele Spuren eines Kolonialhandels, der Harburgs Entwicklung und Infrastruktur grundlegend geprägt hat. Der Rundgang des Historikers Gordon Uhlmann führt zu den Orten (post)kolonialen Handel(n)s, zu den Spuren von Palmöl und Kopra, Rattan und Kautschuk und den Verbindungen Harburgs nach Übersee.

Mit dem beteiligungsorientierten Projekt afrika-hamburg.de (http://www.afrika-hamburg.de) ist die bildende Künstlerin Jokinen in der Gedenkkultur neue Wege gegangen. Sie hat das umstrittene wilhelminische Wissmann-Kolonialdenkmal, das eine bewegte Geschichte hat, aus dem Keller geholt und erneut dem Licht der Öffentlichkeit ausgesetzt. Ein schwergewichtiges Dokument beinahe vergessener Stadtgeschichte Hamburgs wurde wieder sichtbar. Das Projekt kreierte einen Nachdenkmal-Raum am Hafen und einen zweiten zur Debatte und Mitwirkung im Internet. Das große öffentliche Interesse an diesem Projekt zeigt, dass die Erforschung und Veröffentlichung der kolonialen Stadtgeschichte Hamburgs weiterhin sinnvoll und notwendig ist.

Wie wollen wir mit all den abgestellten Hamburger Standbildern umgehen, die - vermeintlich für die Ewigkeit geschaffen - hartnäckige Mythen und Legenden kolonialer Praktiken repräsentieren und transportieren? Mit diesen Symbolen, vor denen bis heute Veteranenvereine und Traditionsverbände ihre Gedenkrituale feiern, etwa im Jenfelder „Tansania-Park“ (http://www.afrika-hamburg.de/tanzaniapark.html)?

Jokinen stellt ihre Erfahrungen aus dem Projekt afrika-hamburg.de und ihr weiterführendes Konzept für einen Park postkolonial (http://www.afrika-hamburg.de/parkd.k.html) vor. Als ein kritischer Lernort soll dieser Park der Kolonialdenkmäler die alten Monumente nicht nur als Dokumente zugänglich machen und entziffern. In Interaktion mit den BetrachterInnen und durch interventionistische künstlerische Eingriffe werden diese vielmehr als Konstruktionen und prozesshafte Gestalten erlebbar. So entstehen immer wieder neue An- und Einsichten. Ein Ausstellungsraum, eine Forschungsstelle und die Entwicklung eines Austauschs mit den Ländern der ehemaligen deutschen Kolonien sind wichtige Projektbestandteile. Im Vortrag und im anschließenden Gespräch geht es um das Vorhaben, diesen Park postkolonial im Harburger Schloßpark zu realisieren.

Weitere Veranstaltungen zu diesem Thema:
  • „Distanz halten" – 100 Jahre Hamburger Bismarckdenkmal
  • Vom Granitfindling zum Holzkreuz. Kriegerdenkmäler in Hamburg

    Info: info@afrika-hamburg.de
    www.afrika-hamburg.de